Eyetracking

Mittels der Erfassung von Augenbewegung können Aufmerksamkeitsprozesse gemessen werden. Ziel von Forschungsprojekten im Rahmen des Eyetracking ist es, mithilfe dieser Methode neue diagnostische Verfahren zu entwickeln um zuverlässig eine (deviante) sexuelle Präferenz unabhängig von der Aussage des Probanden zu erfassen. Außerdem wird geprüft, inwieweit in speziellen Paradigmen Kontrollfunktionen gemessen werden können. Beeinträchtigte Kontrollfunktionen werden für Sexualstraftäter und insbes. für pädophile Probanden berichtet (Joyal et al. 2014).

 

Initiale Orientierung

Unsere Arbeitsgruppe entwickelte einen neuen diagnostischen Ansatz in dem Aufmerksamkeitsprozesse auf zwei-dimensionale sexuell bevorzugte Reize im Vergleich zu zwei-dimensionalen sexuell nicht bevorzugten Reizen mit Hilfe der Blickregistrierung erfasst werden. Wir konnten mit diesem Ansatz zeigen, dass die sexuelle Orientierung sowie die sexuelle Alterspräferenz bei gesunden hetero- und homosexuellen Männern und die Alterspräferenz bei pädophilen forensischen Straftätern anhand von Blickbewegungsparametern mit hoher Genauigkeit abgebildet werden können. So konnten pädophile von nicht-pädophilen forensischen Straftätern mit einer Sensitivität von 86.4% und einer Spezifität von 90.0% auf der Basis vermutlich automatischer Aufmerksamkeitsprozesse unterschieden werden (Fromberger et al., 2012; Fromberger et al., 2012; Fromberger et al., 2013).

In weiteren Untersuchungen wird nun ausgehend von diesen erfolgversprechenden Befunden die klinische Anwendbarkeit der Eye-Tracking Methode untersucht. Neben der Frage der Verfälschbarkeit sollen insbesondere die psychometrischen Gütekriterien (Validität, Reliabilität) der Methode anhand einer größeren Stichprobe weiter empirisch geprüft werden.

Projektleitung: Dr. Peter Fromberger 

 

Mentale Rotation

In einem weiteren Ansatz wird sexuelles Interesse unter kognitiver Belastung erfasst. Probanden bearbeiten eine kognitive Aufgabe, während simultan sexuell bevorzugte und sexuell nicht bevorzugte Reize präsentiert werden. Für hetero- und homosexuelle gesunde Probanden konnte auf Verhaltensebene die Alterspräferenz in Bezug auf erwachsene Reize gezeigt werden. Für heterosexuelle Probanden ließ sich anhand der Augenbewegungen die sexuelle Orientierung erfassen (von Herder et al. 2014). Pädophile und nicht-pädophile forensische Straftäter zeigen ein im Vergleich zu gesunden Probanden abweichendes Verhalten in diesem Ansatz (Jordan et al. 2011). Die Analyse der Augenbewegungsdaten in Bezug auf Kontrollfunktionen zeigte eine beeinträchtigte Aufmerksamkeitskontrolle insbesondere bei pädophilen forensischen Straftätern. Diese konnten mit einer Sensitivität von 90,9% und einer Spezifität von 85,5% von nicht-pädophilen Straftätern unterschieden werden (Jordan et al. 2014).

In weiteren Untersuchungen wird geprüft, inwieweit der Effekt der experimentellen Manipulation verstärkt werden kann, und welchen Einfluss nicht-sexuelle Distraktorreize haben.

Projektleitung: PD Dr. Kirsten Jordan